Über das Heiraten und so

Es geht schon los. Über Mama arbeitet habe ich bei Facebook diesen Artikel gefunden: „Freie Menschen sollten das nicht tun: Heiraten“. Selten einen so dämlichen Artikel gelesen.

Schon im ersten Absatz steht so viel Unsinn drin, dass sich mir die Zehennägel aufrollen. „Nicht die Kirchen haben das [Heiraten] erfunden, sondern die Gesellschaften.“ Ach was, ehrlich? Das heißt also, ich kann das Konzept Ehe nicht lediglich deswegen ablehnen, weil es ein christliches ist? Damn. Muss ich mir also andere Argumente suchen. Ahja, hier:

„Die Ehe ist der erfolgreiche Versuch, die Frau anzubinden. Ans Bett, an den Mann, die eigenen Kinder, die Sippe, die Glaubensgemeinschaft und so fort.“ Komisch. Dabei hieß es eben noch, dass gerade NICHT die Kirchen… egal.

Mir erschließt sich jedenfalls nicht ganz, warum die Ehe nur für die Frau bindend sein soll. Meinem Verständnis nach binden sich bei der Eheschließung doch zwei, oder? Frau UND Mann? Oder habe ich da was missverstanden? Ich gebe zu, dass ich mich an meine eigene Hochzeit nicht so deutlich im Detail erinnere, Gefühle und so, aber ich meine doch, mitbekommen zu haben, dass mein Mann auch irgendwas gesagt hat, von wegen, „ja, ich bin jetzt dein Mann und will das auch bleiben“ oder so ähnlich. Und an mein Kind braucht mich keine Ehe binden. Meinem Kind bin ich verbunden bis ich nicht mehr bin und danach wahrscheinlich auch noch. Das war auch vor meiner Ehe schon so. Deswegen hätte ich nicht heiraten brauchen. Was für ein dummes Gewäsch!

Aber es geht ja noch weiter. Den nächsten Absatz überspringe ich jetzt einfach mal, wegen siehe oben, die Ehe ist eben NICHT zwangsläufig eine religiöse Institution (wer das so will, kann das ja machen, muss aber nicht), deswegen ist das langatmige Geseier von Sünde, Sextrieb, Buße, schlichtweg zu vernachlässigen. Nur der letzte Satz, der macht mich wieder stutzig:

„Die dauerhafte Verbindung zwischen zwei Menschen ist der denkbar sicherste Lustkiller, den sich die Menschheit ausdenken konnte.“

Hm, naja, mag ja sein, dass das in manchen Beziehungen so ist. Ist auch ein bisschen normal, denke ich, die Umstände ändern sich, man gewöhnt sich aneinander, ist einander sicher, da muss man sich nicht mehr fünf mal täglich bespringen. Muss auch gar nicht schlimm sein, kann jeder mit sich selber ausmachen, kann man auch was dafür oder dagegen tun. Und muss doch auch gar nicht zwangsläufig sein, oder? Ist auch ein bisschen armselig, das automatisch vorauszusetzen, oder? Knackpunkt dieses Scheinarguments ist aber der Begriff „dauerhafte Verbindung“. HA! Das ist ja dann auch ohne Trauschein der Fall. Worüber geht’s nochmal in dem Artikel? Um die Ehe an sich oder über langjährige Partnerschaften, freie Liebe, Treue, Hippiesex oder was nochmal? Ich hab den Faden verloren. Und ganz ehrlich, es kann ja wohl auch nicht sein, dass es bei der Entscheidung für oder gegen die Ehe, für oder gegen eine feste Partnerschaft, nur um Sex geht. (Jaja, ist gaaaanz wichtig und gehört dazu und muss passen und gut sein und alles, logisch, aber doch für jeden so, wie es sich richtig anfühlt, oder?) Gott sei Dank sind wir alle Individuen und können selbst für uns entscheiden, ob wir ein Leben lang herumvögeln wollen oder uns in eine feste Partnerschaft begeben, auch auf die Gefahr hin, dass die Lust dann gekillt wird. Für manch einen mag es auch schlimmeres geben. Aber ich schweife ab.

Letzter Absatz: Es geht um die Gleichstellung homosexueller Paare. Dabei spricht die Autorin stets von heiratenden Männern. Also, nur von Männern. Ähem. Hab ich das falsch verstanden oder bezieht sich der Begriff „homosexuell“ nicht auch auf Frauen? Nun gut, kann ja mal passieren, jedenfalls gipfelt der Absatz dann in dem seltsamen Szenario, dass die katholische Kirche dann bald nicht mehr auf Homosexuelle per se losgehen wird, sondern auf diejenigen, die nicht verheiratet sind. Zurück auf Anfang – die Ehe an sich ist keine alleinige Institution der Kirche. Argument ausgehebelt, setzen, sechs.

Freie Menschen sollten das also nicht tun, heiraten. Sagt wer nochmal? Und wie frei bin ich eigentlich, wenn ich mir sowas vorschreiben lasse? Oder andersrum gefragt – sollte es nicht eher die Entscheidung eines freien Menschen sein, zu heiraten, oder eben nicht? Ich finde es toll, verheiratet zu sein, und dieser Status wiederum macht mich auch in gewisser Weise frei. Wenn freie Menschen freiwillig heiraten, was ist daran nicht frei?

Es ist doch eine großartige Errungenschaft, dass wir heute die Wahl haben, ob wir heiraten oder nicht.  Und das nicht nur am Rande: Dass homosexuelle Paare zukünftig ebenso diese Freiheit haben werden, ist ebenso großartig.

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