Must we label everything?*

Es ist ja derzeit sehr en vogue, über die sogenannten Helikoptereltern herzuziehen. Denn sein Kind „überbehüten“, sei es, dass man es mit dem Auto zur Schule fährt oder sei es, dass man ihm auf dem Spielplatz eine Hand reicht, damit es die nächste Kletterhürde einfacher überwindet –  also über ihm zu schweben wie ein Helikopter (daher der Ausdruck), da ist sich das Internet einig, geht gar nicht. Schnell ist man als „Helikoptermutter“ abgestempelt, und aus dieser Schublade kommt man, Gott bewahre, nie wieder raus.

Ich persönlich kenne keine. Helikoptereltern. Ich kenne Eltern, die sehr ängstlich sind, die sich sehr um ihre Kinder bemühen, „in sie reinschauen“, ich kenne Eltern, die manches nicht erlauben, wo ich keine Bedenken hätte, ich kenne Eltern, die ihren Kindern selbst im knöcheltiefen Wasser Schwimmflügel anziehen oder diese komischen UV-Klamotten die beim Schwimmen vor Sonnenbrand schützen. Na und?

Ich bin selber eine Mutter, die lieber einmal mehr schaut, ob ihr Kind noch schnauft. Ich pfeife mich täglich bestimmt hundertmal zurück und unterdrücke meinen Gluckendrang. Lasse mein Kind bewusst mal selber machen, lass es laufen, spielen, für sich sein. Am liebsten würde ich auch eine Glasglocke über ihn stülpen, er ist das Kostbarste, das ich habe, nicht auszudenken, wenn ihm was passiert.

Aus eigener Erfahrung weiß ich also: Jeder von uns hat seine eigene Geschichte. Seine eigenen Erfahrungen gemacht. Manche haben vielleicht sehr lange auf ihr Kind warten müssen. Andere haben vielleicht schon ein Kind verloren. Wieder andere waren womöglich Zeuge eines schrecklichen Unfalls. Man liest so viel, hört so vieles. Ich kenne die Geschichte einer Familie, deren Kind nachts die Treppe runtergefallen ist und gestorben ist. Bei uns bleibt also das Treppengitter oben noch eine Weile dran – obwohl unser Kind noch nie nachts aufgestanden ist. Trotzdem. Jeder hat seine eigenen Ängste und Sorgen. Ich bin beispielsweise mit einer überbordenden Fantasie gesegnet (manchmal ist sie auch ein Fluch). Wenn ich auch nur anfange, mir auszumalen, was alles passieren könnte… hole ich im Geiste schon die Glasglocke hervor. Tatort schauen geht ja schon fast nicht mehr. Natürlich hat mich mein Kind gelehrt, dass man einfach auch mal Fünfe grade sein lassen muss. Dass ich ihm vertrauen kann, dass er vieles schon alleine kann. Und ich versuche täglich abzuwägen, wo ich ihn begleiten und anleiten muss und wo er selber machen darf und soll. Aber manchmal kann ich einfach auch nicht aus meiner Haut.

Dieses Schubladendenken und die Verunglimpfung der sogenannten „Helikoptereltern“ finde ich traurig. Erstens geht es hier ja um Eltern, die sich um ihre Kinder kümmern wollen, die es richtig machen wollen, die sich bemühen. Da ist nichts Falsches daran. Und zweitens sind wir doch alle nur Menschen. Wir wollen es alle richtig machen. Und anstatt uns ständig gegenseitig zu kritisieren und zu belächeln und alles besser wissen zu müssen, wäre es für Kinder und Eltern viel konstruktiver und hilfreicher, wenn wir uns gegenseitig unterstützen, Verständnis füreinander aufbringen, und es vielleicht auch einfach mal dabei belassen, vor der eigenen Haustüre zu kehren.

*Diesen Satz habe ich geklaut. Wo, das verrate ich demnächst, hier in diesem Programm.

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3 Gedanken zu “Must we label everything?*

  1. „Ich bin selber eine Mutter, die lieber einmal mehr schaut, ob ihr Kind noch schnauft“. Danke für diesen Satz! Der spricht mir aus dem Herzen. Ich „kontrolliere“ auch zwischendurch immer, ob das Kind noch lebt (auch wenn er schon 10 ist und seit Jahren draußen allein spielt 😉 ).

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