Happy Moms

Ich weiß, man soll es nicht. Man soll sich nie, nie, aber auch gar niemals auf Diskussionen im Social Web einlassen. Und schon dreimal gar nie, nie, nie nicht, wenn es dabei um „Mütterthemen“ wie Stillen, Schlafrituale und (um Gottes Willen) das Impfen geht. Diese Diskussionen bringen nichts und arten fast immer in Beschimpfungen und hanebüchenen Argumentationsschlachten aus.

Ich disktutiere auch schon lange nicht mehr mit, aber mitlesen, das kann ich mir manchmal nicht verkneifen (hat so ein bisschen was von gaffen, ich weiß, es ist auch masochistisch, aber manchmal brauch ich das einfach auch). Und so ist mir neulich dieser Kommentar über den Weg gelaufen (es ging in der Diskussion um „Stillen oder nicht“):

Dann kriegt bitte keine kinder!kinder brauchen mütter die sich für sie aufopfern und ihre eigenen bedürfnisse hinten anstellt!wer das nicht kapiert hat mutterschaft nicht verstanden! (sic)

Dem musste ich dann doch widersprechen. Denn das stimmt so einfach nicht. Kein Kind kann eine Mutter wollen, die sich für es aufopfert. Aufopfern, das heißt ja, sich selbst komplett verlieren, nicht mehr an sich selbst denken, nicht mehr für sich selbst sorgen. Und eine Mutter, die sich komplett selber aus den Augen verliert, kann keine gute Mutter sein. Niemals nicht. Selbstredend – und alle, die Mütter sind, wissen das auch, wenn vielleicht auch nicht vorher, haha – bedeutet Eltern sein auch, dass man seine Bedürfnisse hinten anstellen muss (wenn das Baby in der Nacht heult weil es Hunger hat, geht sein Hungerbedürfnis meinem Schlafbedürfnis natürlich vor). Aber grundsätzlich sehe ich nicht, warum ich mein gesamtes Wohlergehen meinem Kind opfern soll. Warum? Was hat das Kind denn davon?

Ich persönlich brauche zum Beispiel Auszeiten. Kinderfreie Zeiten. Ich muss ab und zu mal ich sein, mit Freundinnen was unternehmen, Party machen, mit meinem Mann ausgehen und „erwachsene“ Gespräche führen, Gast auf einer Hochzeit sein und ohne Kind tanzen bis die Fußsohlen rauchen. Ich muss ab und an mal für ein paar Stunden die Verantwortung abgeben und vergessen dürfen, dass ich „Mutter“ bin. Ich habe großartige Schwiegereltern, die es mir (uns) sogar ermöglichten, ein paar Tage nach New York zu reisen. Großartige Tage, die ich für immer in meinem Herzen trage. Die Erinnerung daran lässt mein Herz hüpfen und mein Gesicht strahlen. Ja, ich kann mein Kind tatsächlich abgeben, auch über Nacht, und das sogar genießen. Ob mich das zu einer „Rabenmutter“ macht (dieses Wort gibt es übrigens mit dieser Bedeutung NUR im deutschen Sprachraum)? Wäre ich eine bessere Mutter, wenn ich diese Auszeiten meinem Mutterdasein „opfern“ würde?

Mit Sicherheit nicht. Glückliche Mütter haben glückliche Kinder, das ist mein Leitspruch. Und solange mein Kind während meiner Auszeiten bestens aufgehoben und versorgt ist, solange ich immer noch den überwiegenden Teil meiner Zeit mit meinem Kind verbringe, und solange mein Kind mir abends vor dem Schlafen gehen ins Ohr flüstert „weißt du, wen ich am allerliebsten auf der ganzen Welt habe… DICH!“, solange weiß ich, dass ich meinem Kind mit meinem temporären Egoismus nicht schade. Im Gegenteil. Ich glaube, wer DAS nicht kapiert, der hat Mutterschaft nicht verstanden.

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