People are people, so why should it be?

Ich bin kein politischer Mensch. Politik war mir immer zu anstrengend, zu unverständlich, zu undurchsichtig. Die Wahrnehmung, was in der Politik schief läuft, was sie wieder verbockt haben, „da oben“, wechselt ja auch je nach Lebenssituation. Seit ich Mutter bin, sind mir Themen wie Kinderbetreuung, Schul- und Bildungssystem, Elternzeit und Wiedereinstieg in den Beruf viel näher gerückt. Früher waren das eher solche Dinge wie Riester-Rente, Soli-Zuschlag und Krankenzusatzversicherungen. Insgesamt lebe ich aber in dem Bewusstsein, dass alles, was wir hier in diesem Land an unserer jeweiligen Regierung kritisieren, Jammern auf hohem Niveau ist. Uns geht es (fast) allen sehr gut, wir sind sozial abgesichert, haben eine großartige Gesundheitsversorgung; unser Lebensstandard gehört zu den höchsten der Welt. Und trotz aller Politikverdrossenheit (ich bin ein Kind der 70er und mit politischen Persönlichkeiten wie Helmut Schmidt und Willy Brandt aufgewachsen. Solche vor allem menschliche Größen vermisse ich heute schon sehr) gehe ich natürlich immer brav wählen weil ich die Demokratie, in der ich leben darf, wertschätze und weil ich mit dem Satz „wer nicht wählt, wählt braun!“ aufgewachsen bin.

Und jetzt passiert sowas. Jetzt wählt ein zweistelliger Prozentsatz aller Wähler (bei einer Wahlbeteiligung von über 70%!!!) im Ländle die AfD. Aus Protest, so geben Umfragen laut. Aus Protest. Soso. Der Protest richtet sich, so nehme ich an, gegen die Merkel-Politik, die seit letztem Herbst die Tore aufgemacht hat für eine große Zahl von Menschen, die – durch dieselbe Politik mitverschuldet – in allergrößte Not geraten sind. Und während ich Frau Merkel seit eben dieser Zeit mit ganz anderen Augen sehe – plötzlich wirkt sie menschlich auf mich, moralisch und stark, geradlinig, völlig losgelöst von irgendwelchen Umfragequoten und drohenden Stimmverlusten – gehen andere hin und wählen dumpfe Rechtspopulisten, um ihr einen „Denkzettel“ zu verpassen.

Wie groß ist eigentlich die Angst dieser sogenannten „Protestwähler“ vor ein paar fremden Leuten, die ein (vergleichsweise) winziges Stück von einem riesigen Kuchen abbekommen sollen, den wir alleine doch sowieso nicht schaffen und von dem wir eh einen Großteil wegschmeißen müssten? Wie abgestumpft und fremdenfeindlich, feige und ungebildet muss man eigentlich sein, um eine Partei zu wählen, die wirklich alles, was wir in den letzten 50 Jahren hart erkämpft haben (Gleichstellung der Frau, Umweltschutz, Verringerung der CO2-Emmissionen, Homo-Ehe, Schutz von Alleinerziehenden, Bildungspläne, um nur ein paar Beispiele zu nennen) rückgängig machen will?

Mit am erschreckendsten finde ich den Plan zur „Pflege der deutschen Leitkultur“ – Zitat – „…der fehlende Mut zur deutschen Leitkultur schwächt den gesellschaftlichen Zusammenhalt.“

Wem da nicht die Alarmsirenen in beiden Ohren aufheulen, der hat im Geschichtsunterricht wirklich gepennt. Wem bei dem Begriff „deutsche Leitkultur“ nicht die Galle hochkommt, der hat wirklich gar nichts verstanden.

Und allen, die immer rumjammern, man soll nicht immer mit der „Nazikeule“ kommen, diese Zeiten seien längst vorbei, man müsse es auch einmal gut sein lassen und nach vorne blicken, sei gesagt: mit der AfD blickt niemand mehr nach vorne. Mit denen rasen wir mit Vollgas in einen wirklich düsteren Abgrund. Und in so einem Deutschland will ich dann nicht leben.

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Ein Gedanke zu “People are people, so why should it be?

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