Dankbar #2

Ich bin für sehr Vieles in meinem Leben dankbar. Heute greife ich einen Aspekt, einen Umstand oder einen Menschen auf, für den ich zurzeit besonders dankbar bin. Eine Serie.

„Ach, dann mach ich mich einfach selbstständig“, besprach ich mit dem besten Mann, als klar wurde, dass mein Bezahljob ein absehbares Ende haben würde. Die Idee war gut und realistisch: Arbeitszimmer und -werkzeug waren ja bereits vorhanden. Mehr als einen Computer mit Internetzugang und ein Telefon würde ich für meinen neuen Job nicht brauchen. Ich wollte (und will) Texte lesen, Texte gut machen, Texte korrigieren. Das ist eines der wenigen Dinge, die ich wirklich gut kann und die ich leidenschaftlich gerne tue. Kunden, dachte ich, würde ich mit Aushängen (zwei Universitäten in unmittelbarer Nähe) und einer guten Website (einen tollen Grafiker und einen super Fotografen an der Hand) schon finden, ein paar Kontakte hatte ich während meiner berufstätigen Zeit ja auch gesammelt. Und dann gibt es ja auch noch Xing.

So dachte ich, und gründete im Oktober 2014 mein eigenes Lektoratsbüro „Messmerscharf“. Ich gab dem Ganzen zwei Jahre.

Jo. Der Anfang war zäh. Da saß ich also und wartete auf Kundschaft. Klar, ich hab auch Akquise gemacht – ein bisschen. Leute anrufen und meine  Arbeit anbieten, na, das ist nicht so meins. Nicht gerade eine tolle Voraussetzung für ein Start-up. Immer mal wieder tröpfelte ein Auftrag über die Website rein, ab und zu bekam ich Arbeit über mein ehemaliges Büro. Überwiegend herrschte jedoch in meinem Mailpostfach gähnende Leere, das Telefon schwieg und ich hatte schlaflose Nächte, weil ich nicht wusste, wie ich meine Krankenversicherung bezahlen sollte. (Natürlich, und das muss ehrlicherweise erwähnt sein, war das finanzielle Risiko, dass ich einging, nicht existenziell. Unser Haushalt ist auf mein Gehalt nicht angewiesen, das bisschen, was ich mit 40% im Backoffice verdiente, und so konnte ich schon relativ gelassen bleiben. Dafür war und bin ich sehr dankbar. Nur: Ich wollte einfach, dass es funktionierte.)

Ein paar Monate gingen ins Land und ich war mit der Gesamtsituation unzufrieden. Keine Aufträge bedeuteten kein Einkommen, keine Aufgabe (man kann auch nur so viel Haushalt an einem Vormittag machen) und nagende Selbstzweifel. Es war unschön. Aus Verzweiflung habe ich mich dann bei zwei verschiedenen Schreibbüros beworben, um wenigstens auf 450-EUR-Basis was dazu zu verdienen. Jo. Die wollten mich nicht  haben – meine Testarbeiten waren zu schlecht. Da war ich dann am absoluten Tiefpunkt meiner Selbstständigkeit angelangt. Aber – und das ist untypisch für mich – aufgeben war keine Option, zu sehr hing ich an meinem kleinen Betrieb und an dem Traum, bequem von zuhause aus Aufträge abzuarbeiten und so genügend Zeit für Sohn und Haushalt übrig zu haben, ohne mich abzuhetzen und ohne Druck und Stress. Und so recherchierte ich eben weiter. Und stolperte über einen Verlag, der Lektoren beauftragt. Einen Probeauftrag meisterte ich mit Bravour: Den ersten Stammkunden hatte ich mir gesichert. Dem folgten noch ein paar weitere – und ein glücklicher persönlicher Kontakt, über den ich ebenfalls regelmäßig an Aufträge komme und mir so eine stabile Auftragslage sichere. Seit neuestem bin ich sogar im Redaktionsteam vom Top Magazin (Region Reutlingen/Tübingen) und schreibe eigene kleine Artikel, was mir die allergrößte Freude bereitet.

Heute kann ich also sagen: Messmerscharf läuft. Ich bin gut ausgelastet. Ich verdiene nicht die Welt, aber ich habe ein regelmäßiges Einkommen. Ich habe eine spannende, abwechslungsreiche und fordernde Aufgabe, die ich täglich mit neuer Begeisterung in Angriff nehme. Das ist wirklich so. Do what you love. Dafür bin ich dankbar.

 

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Ein Gedanke zu “Dankbar #2

  1. Pingback: Dankbar #3 | steffissenf

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