Dankbar #3

Ich bin für sehr Vieles in meinem Leben dankbar. Heute greife ich einen Aspekt, einen Umstand oder einen Menschen auf, für den ich zurzeit besonders dankbar bin. Eine Serie. (Dankbar #1, Dankbar #2)

Das erste halbe Schuljahr ist schon um, der bald Siebenjährige ist ein routinierter und begeisterter Schüler. Statt Halbjahreszeugnisse gibt es in der ersten Klasse ein Gespräch mit der Klassenlehrerin. Ich weiß ja, dass das Kind den Schulstoff problemlos aufnimmt und auch sonst keine Schwierigkeiten hat. Ich gehe also ganz entspannt in das Gespräch und bin doch unendlich gespannt und neugierig darauf, wie mein Kind in der Schule wahrgenommen wird. Habe ich mir doch im Vorfeld auch Sorgen und Gedanken gemacht.

Ja. Gut angekommen ist er, berichtet die Lehrerin, findet sich sehr gut zurecht, ist bei den anderen Kindern sehr beliebt, freundlich, höflich, hilfsbereit. Geduldig, ruhig, selbstbewusst. Spätestens jetzt ist mein Kloß im Hals so dick, dass er wahrscheinlich sichtbar ist, und ich kämpfe mit den Tränen der Rührung. Ich reiße mich zusammen. Die Lehrerin erzählt weiter, dass der Sohn alles versteht, was man ihm erklärt, Arbeitsanweisungen selbstständig und richtig ausführen kann, dass er sehr interessiert ist und wissbegierig, dass er viel weiß und dieses Wissen auch selbstbewusst zum Unterricht beiträgt (jup – ich sag nur: Woozle Goozle!). Dass er einen sehr großen Wortschatz hat, sich gut ausdrücken kann, flüssig liest (aber nie gelangweilt ist, weil die anderen noch nicht so weit sind, sondern dann hilft und unterstützt – der Wahnsinn!) und weit über den geforderten Zahlenraum hinaus rechnen kann. Abschließend sagt sie dann: „Der macht seinen Weg.“ Und dieser Satz bleibt.

Als ich dann zum Parkplatz gehe, lasse ich die Tränen laufen. Vor Glück, Erleichterung, ein bisschen Stolz und Dankbarkeit. Denn was braucht es denn mehr fürs Kind als „der macht seinen Weg“? Dieser eine Satz nimmt mir als Mutter eine der größten Sorgen von der Seele. Mein Kind ist stark genug fürs Leben, es findet sich zurecht, es findet sich in eine Gemeinschaft ein, es zeigt gutes Sozialverhalten, es ist mutig und selbstbewusst und vertritt seinen Standpunkt. Ja, es macht seinen Weg. Dem Universum sei Dank. Irgendwas hat man schon richtig gemacht.

Ich bin mir nicht so sicher, wie viele von diesen positiven Eigenschaften ich mir – oder wir uns – als Eltern auf die Fahne schreiben darf/dürfen. Denn natürlich sind wir gesegnet mit diesem Kind. Es wurde uns geschenkt. Der kam schon so – wir haben da nicht mehr viel gemacht. Die Sanftmut, die Verständigkeit, das fröhliche, ausgeglichene Wesen, der Gerechtigkeitssinn und die große Wissbegierde, all das wurde unserem Sohn sicher mit in die Wiege gelegt. Das haben wir nicht anerziehen können. Ich lege Wert darauf, dass er „Bitte“ und „Danke“ sagt, und „Grüß Gott“ und „Ade“. Das habe ich ihm anerzogen, ja. Aber alles andere?

Was für ein großes Glück, dass dieser wundervolle Junge bei uns gelandet ist. Was für ein Geschenk. Ich bin sehr dankbar.

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Ein Gedanke zu “Dankbar #3

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